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18
April
Nada Surf im Huxleys, 2018. Mit meiner Tochter, ihrer Freundin, meiner letztes Jahr geehelichten Frau. Eine Konstellation, die ich noch vor zehn Jahren, gefangen in einer dysfunktionalen, lieblosen, defekten Ehe, nie für möglich gehalten hätte. Umso mehr war dies nun ein Abend, der mich in mehrerlei Hinsicht positiv umwarf und mir fortwährend Pipi in die Augen trieb. Denn Nada Surf, das war die Musik, die mein jetziges Weib und mich über Jahre der klandestinen Liebe in Trauer und Freude, Zorn und Dank, Frust und Glück verband. Nada Surf, das war die Musik der Zähigkeit ... maybe this weight was a gift ... und der Genügsamkeit ... you can learn to get along. ... und des Aufgeriebenseins im Leben des 21. Jahrhunderts ... always rushing, always late ... und der verpassten Chancen und parallelen Leben ... As the express train passes the local ... und der Entfremdung ... What's wrong? ... und des Patchworklebens ... You tell me the patterns you already see ... und der Verzweiflung ob der Welt ... Everyone's right and no one is sorry ... und des Realitätssinns ... So much better that we're not together ... und des sich-ratlos-ins-Leben-Schmeißens ohne Rücksicht auf etwaige Kollateralschäden... Where are we going? ... und des späten Siegs ... Are you lightning? Matthew Caws' Stimme strahlte. Sein Gitarrenspiel war präzis' (ich finde ja, dass man Gitarristen in Kapodasterbenutzer und -nichtbenutzer unterteilen muss, weil erstere sich Gedanken über Voicing, Tonart-Emotionen u. dergl. machen) und klar. Daniel Lorca, der Bassist, dessen Lebenskerze an beiden Seiten brannte, mit nicht brennender Kippe im Mund, seine Dreadlocks schwingend, sein Wasser in den Augen an den richtigen Stellen. Und natürlich der stoische, aber sauber spielende, timingfeste Drummer. Ein Mensch, mit dem man vermutlich stundenlang angeln gehen könnte, im stummen Einverständnis, ohne je zuvor miteinander gesprochen zu haben, ein Westfale im Geiste. Auf diesem Konzert stehen, in dieser Konstellation, das Weib im Arm, 15 Meter weiter links die Tochter, entrückt, mit geschlossenen Augen, jedes Wort mitsingend (vielleicht noch nicht jedes verstehend, aber das würde kommen), nachgerade mit weisem und gleichzeitig sanft betrunkenen Blick: Das war sehr wahrscheinlich der beste Moment in den letzten zehn Jahren. Das war die Belohnung für Geduld, Ausharren und das Wissen um den richtigen Weg. Und das ging nur, weil ich einen zumeist hell strahlenden, manchmal erschöpft blinkenden, aber immer liebevollen und sichtbaren, verlässlichen, treuen Nordstern hatte. So war es und nicht anders.
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