letzte Kommentare


08
August

Nun war das Kind also in Holland. Die Spuren verliefen sich. Man selbst lebte zwischen Kisten, sortierte ein und aus, kündigte Verträge und schloss neue ab. Man hatte sich von O2 und Vattenfall befreit, T-Mobile und VDSL am neuen Ort geordert, existierte behördlich im Niemandsland zwischen zwei Steuernummern - und sehnte sich der Ruhe, dem Land, dem Frieden entgegen.


 
 
05
Juli

Es ist erstaunlich: Das im Privatbesitz befindliche Auto, noch dazu dasjenige mit Verbrennungsmotor, liegt am Boden. Seine Besitzer stehen mit dem Rücken zur Wand. Es ist - zumindest in Metropolen - unvernünftig, ein Auto zu besitzen. Es verursacht permanente, laufende Kosten, es verbreitet Emissionen, es raubt Platz, und und und. Und in den genannten Metropolen steht es eigentlich nur noch im Stau und nervt.

Und doch schlägt mein Herz jedesmal höher, wenn ich dieses unvernünftige, raumgreifende, schwer zu lenkende, aufgrund der Last der Jahre ächzende Automobil sehe. Diese Farbe! Diese Linien! Diese Geometrie! Diese Innenausstattung! Wenn dann dieses 43 Jahre alte Getüm nach kurzem Orgeln verlässlich startet, die Hydropneumatik Druck aufbaut und erst das Heck, dann die Front nach oben schwebt. Wenn man sich schwer am Lenkrad kurbelnd aus der Tiefgarage entfernt, sich langsam aus der Stadt herauskämpft, bis man erstmals auf der freien Landstraße ist und den herrlich lang übersetzten vierten Gang einlegen darf. Wenn das Gleiten über die Straßen beginnt, der Motor seidenweich und rund läuft, die müden elektrischen Fensterheber in Zeitlupe arbeiten und sommerliche Frischluft hereinlassen. Wenn man in nicht steigerbarer Eleganz durch die Kurven gleitet, aus purer Lebenslust die Zweiklangfanfare erklingen lässt - mit Blick auf den behäbig laufenden Lupentacho und den Drehzahlmesser, der VW-Käfer-like selten über 2.800 Touren geht, dann ist das eben leider doch: geil, geil, geil, geil, geil. Nebenan hat das Weib die Füße auf dem Handschuhfach und grinst zufrieden.

Ja, das ist in Zeiten der Götterdämmerung der Individualmotorisierung erschreckend unzeitgemäß und auf mindestens eine Art und Weise falsch. Es ist auf der anderen Seite aber auch der Abschiedsschmerz einer Epoche, die schon bereits meine Tochter gar nicht mehr betreten wird: keine Notwendigkeit für Führerschein, keine Notwendigkeit für Autos. Gut und richtig. Ja. Die heute um die 40- bis 50-jährigen werden die letzten sein, die dieses zweifelhafte Vergnügen noch haben. Man sollte es achtsam betreiben und vielleicht auch mal von der Seite sehen: Ein wenig gefahrenes Auto, das fast so alt ist wie man selbst, hat über seinen gesamten Lebenszyklus vermutlich eine nicht ganz so schlechte Karma- und Ökobilanz wie mehrere tagesaktuelle E-Fahrzeuge, deren Lithium-Ionen-Akkus nur deswegen existieren, weil in der Demokratischen Republik Kongo unter widerlichsten Bedingungen seltene Erden geschürft werden und die Lebensdauer einzelner Baugruppen ebenso wie deren Verschrottungsfootprint noch völlig unbekannt sind.

Man würde eben die letzten Reisen nach altem Muster unternehmen.


 
 

Zum ersten Mal im Leben gemacht: eine Party für 90 Leute ausgerichtet. Familie, Freunde, drei Generationen - alles 180 Kilometer vom aktuellen Wohnort entfernt und damit eine besondere Logistikaufgabe: Drei Cateringdienste, ein Partyausstatter, Dixi-Klos, Übernachtungen, Barkraft, Hilfspersonal, Taxis, Shuttles und Bahnhofabholungen organisieren, Hof und Scheune herrichten und dekorieren, Musikanlage und Musik klarmachen, Kaffee, Kuchen, Abendessen, Frühstück.

Ein Anreiseauto blieb auf der Bundesstraße liegen, die hochbetagte Mutter strandete mit dem Intercity in Hannover, ein Feld des Schwiegercousins brannte.

Und dann, trotzdem, genau zur rechten Zeit funktionierte alles. Zusammenführung von Freundes- und Verwandtenkreisen beider Seiten. 90 zufriedene, essende, trinkende, tanzende Menschen. Geschenke. Ausgelassenheit, Freude.

Man hatte der richtigen Person "ja" gesagt und man hatte die richtigen Dinge gewagt.


Und es ist, es ist ok,
alles auf dem Weg,
und es ist Sonnenzeit,
unbeschwert und frei.


 
 
17
Mai

Und dass die Hexe von Exfrau niemals diese Tiefe der Empfindungen und Liebe möglich machte. Und darob auch nie erfahren wird. Während ich. Ja.


 
 

Whisky und Bier vor der Babette Bar. Und plötzlich kracht alles ein und Tränen laufen. Anspannung, Erleichterung, Vorfreude.


 
 

Und dass die EU-Kommission Deutschland verklagt, ist nur folgerichtig. Dass die Automobilindustrie ungestraft betrügt, mordet und verarscht, ist zersetzend und bösartig. Endlich war ein Startpunkt für Sedimentsumwälzungen gesetzt.


 
 

Da liegt dann dieser Mensch plötzlich vor dir: Mit Heparin-Bolus-Perfusor, mit Arterienkatheter, mit Pulsoximeter und EKG, alles voller Kabel. Es knarzt der Profusor, es blubbert der Sauerstoffspender, fast stellt sich eine akustische Segelboot-Assoziation ein. Der Pulsschlag als Piepen mit variabler, von der Sauerstoffsättigung abhängiger Tonhöhe. Eine Tasche auf dem Fußboden, die kleinen blauen Schuhe, die sich gerade in Fremdkörper verwandeln, weil sie wohl einige Tage lang nicht getragen werden.

Es ist gut, wenn das alles in einem Krankenhaus geschieht, wo die Ärzte voll Menschlichkeit und Zuversicht sind. Wo die Abläufe funktionieren und die Therapie ohne Verzug und leitliniengerecht eingeleitet wird.

Aber es ist noch besser, wenn man den zarten, zwischendurch fast verstummten Vogel morgen wieder ins Auto laden und seine Wohnung fahren kann. Wo er aufgepäppelt werden wird und wieder genesen wird.


 
 

Wie sehr man jemanden liebt, das merkt man vielleicht am ehesten dann, wenn er plötzlich für einen viel zu langen Moment in echter, ernster Lebensgefahr schwebt. Und wenn man sich mit schreckgeweiteten Augen in einem ruhigen Moment vorstellen muss, den Rest des Lebens ohne diesen Menschen zuzubringen.

Im selben Augenblick ist man glücklich, sich ein solides medizinisches Dreiviertelwissen angeeignet zu haben, um Wichtiges von Unwichtigem zu scheiden und irgendwann klar zu sagen: Jetzt aber in die Notaufnahme.

Es war wohl nochmal gutgegangen. Und umso klarer war geworden: Alle Wünsche waren sofort zu erfüllen, alle Pläne sofort zu realisieren.


 
  Nächste Seite
Online for 402 days
Last update: 08.08.18 19:10
status
You're not logged in ... login
menu
search
 
calendar
August 2018
MoDiMiDoFrSaSo
12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
2728293031
Juli