letzte Kommentare / Könnse den nicht mal vorbeischicken? Hier herrscht PROKRASTINATOR. Lakritze / LOL liuea


06
Dezember

Das Jahr ging in den Endspurt. Es war ein ungeheuer erlebnisreiches, angefülltes Jahr gewesen. Mehrere große Wünsche hatten sich realisiert und materialisiert. Das war sehr, sehr gut. Ich lebte mit dem Menschen, den ich liebte und wir lebten das Leben, das wir uns gewünscht hatten. Und es zeigte sich eher noch ein Stück weit besser als das, was wir uns erträumt hatten.

Der franzsösische Oldtimer war verkauft. Es war Zeit für ein neues Projekt. Ein sehr interessantes Exemplar wartete schon, in knallrot, möglicherweise neuwertig. Auf jeden Fall etwas Besonderes wieder einmal.

Zwischendurch zwei Berlin-Aufenthalte, die beruflich einiges in klareres Licht rückten. Und wieder einmal eine kleine, ungeplante Rochade, die im Zweifelsfall Vorteile bringen würde. Man war dann nämlich doch wieder im unerwarteten Moment zäh.

Das wiederum war nur möglich, weil man jeden Tag Liebe spürte. Und draußen war aus dem Quatsch der Großstadt. Und weil man wieder einmal Zeit gefunden hatte, sich sieben Tage lang gemeinsam zu entspannen, bei Spa, Whirlpool, Sauna, Spaziergängen und kommoden Fahrten im sacht nach Öl duftenden Oldtimer.

Jetzt galt es, die familiäre Baustelle der unerwartet baufälligen Mutter zu betrachten. Und das Jahr nach einer vermutlich anstrengend werdenden Coda weihevoll unter den Tisch zu trinken. Wohlan.


 
 
11
November

Knapp zwei Monate am neuen Wohnort. Man war jetzt schon im Geiste kein Städter mehr, hatte sich neue Bekanntschaften erschlossen, wenn auch zaghaft. Man war auf Menschen getroffen, die auch von woandersher kamen und hier ihr Glück versuchten. Man vermisste Berlin ganz erstaunlich wenig. Hatte umso mehr Spaß daran, die Möglichkeiten vor Ort und in der Umgebung auszuprobieren, ganz neue Allianzen zu schmieden, gemeinsam zu entdecken.

Und Berlin sendete eine merkwürdige Störung auf einer bisher gänzlich unbekannten Frequenz. Gut daran war, dass das Radio, das diese Störung übertrug, nicht mehr zwingend gebraucht wurde und gegebenenfalls entsorgt werden konnte.

Man hatte sich auch innerhalb teils komplexer Familienangelegenheiten als insgesamt kompetenter und leistungsbereiter Feelgood-Manager zeigen können.

Nun würde man jedoch erst einmal eine Woche lang Wellnesshotels bespielen und langsam niedrigtemperaturgarend in allerlei Spas herumlungern.


Und danach würde man vielleicht eine neuerliche Ereigniskarte ziehen.


 
 
15
Oktober

Ein neuer Erstwohnsitz im Personalausweis. Zwei umgemeldete Autos. Vorsprechen beim neuen Finanzamt, beim neuen Friseur, beim neuen Garagengeber. Ein sich täglich lichtendes Wohnungschaos. Langsam einkehrende, neue Routinen.

Auch sehr schön: Dass man den neuen Wohnort mit gänzlich anderen Augen betrachtete als diejenigen, die einen hergelockt hatten. Andere Allianzen, andere Wege, andere Entspannungsziele, andere Wanderungen, anderes Einkaufen. Das alles aber im Frieden und gegenseitigen Respekt.

Tagsüber knallte man die Texte, Konzepte und Projekte weg, tat der Agentur also im Gegenzug durchaus mehrere Gefallen für den einen großen Gefallen, von hier aus arbeiten zu dürfen. Um 17 Uhr war Schluss mit dem Unsinn, dann war Zeit für Eigenes. Und man liebte es, die einsamen, von der Sonne perfekt beleuchteten Alleen entlang zu brausen, ohne Stau, ohne Tatütata, ohne Generve. Man glitt dahin bei 110 km/h mit dem durchzugsstarken, aber fast unhörbaren 1.8-Liter-20-Ventil-Turbo.

Es ist unglaublich ruhig hier. Ich habe lange nicht mehr so gut geschlafen. Durchs frühe Schlafengehen ergibt sich ein nahtlos in den Tag gleitendes Intervallfasten, was einen pro Woche ohne jedwede Entbehrung vollautomatisch ein Pfund abnehmen lässt.

Und man konnte ja noch nach Berlin, wenn man wollte. Wenn man eine gute Bar brauchte, wenn man die Kolleginnen und Kollegen sehen wollte.

Aber man musste nicht. Man konnte auch einfach hierbleiben, fern von der Zugriffsmöglichkeit des zuweilen auch schädlichen Agenturirrsinns. Es war jetzt alles noch richtiger als schon vorher.

Wandern, ausgedehnte Oldtimerfahrten, Grillen im Garten, was wegschafffen, es ging jetzt alles, so wie man wollte.

Und den Negroni konnte man sich dann eben auch selber mixen.

Alles gut.


 
 
27
September

Und wieder hatten sich die Dinge neu und rasant abgespult. Man hatte einen Haushalt aufgelöst, einen zweiten so halb, die Tochter in die Niederlande gebracht und eine komplett neue Heimat bezogen.

Wie mir meine Tochter ihr Utrecht zeigte. Ihre Kneipen, ihr neues Zimmer, ihre Grachten, ihre Arbeitsstätte.

Und dann ein plötzlicher Abschied. Nahezu betäubt raste ich mit dem Auto die 613 Kilometer nach Berlin zurück. Nun war sie dort und ich hier. Ja, sie würde mir fehlen. Aber auch freute ich mich für sie: ihr eigenes Leben, ungestört Dinge tun, die sie für richtig hielt. Sie war gut aufgehoben.

Der Tag des Umzugs. Kisten, Gegenstände, Chaos.

Das kaputtgegangene VDSL wiederherstellen.

Und dann plötzlich auf dem Land sein. Mit einer neuen Adresse im Personalausweis. Irre. Und geil.

Ruhe. Tiefschlaf bester Güte. Zweisamkeit. Gemeinsames Arbeiten.

Über weite Felder spazieren. Frischluft.

Eine kleine Fahrradtour mit 135 Kilometern. Über Genthin in die neue Heimat.

Im Auftrag des Unternehmens Aufträge reinholen.

Glücklich sein.


 
 
31
August

Während sich in Berlin die letzten Tiefausläufer des Wahnsinns ballten und zusammenbrauten, lief auf dem Land, in der baldigen Realität, alles nach Plan.

Anstreicher kamen, 100-MBit-VDSL war erfolgreich in Gang gesetzt worden, der Garten schenkte Kartoffeln, Mirabellen, delikate Muskateller-Weintrauben und köstliche Tomaten.

Namensschilder und Klingeln waren befestigt worden, Router optimiert, Telefone installiert. Jetzt hieß es nur noch, mit Geschick und ohne Kollateralschäden durch die in Zeitlupe zufallende Tür zu witschen. Mal wieder.


 
 
28
August

Zack. Bumm. Treffer versenkt.


 
 
26
August

Schön auch: den ehemaligen Chef, in Zehlendorf an der roten Ampel stehend, weghupen. Tröt tröt!


 
 

Draußen, abends, bei Weißwein, den Herbst kennenlernen. Wie die Leuchtstoffröhrenstraßenlaternen nacheinander sich einschalten, unruhig zappelnd, asynchron. Noch nicht gleichgeschaltet wie die LED-Monster, die sich überall ausbreiten. Friedenau.


 
  Nächste Seite
Online for 513 days
Last update: 06.12.18 19:56
status
You're not logged in ... login
menu
search
 
calendar
Dezember 2018
MoDiMiDoFrSaSo
12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31
November