letzte Kommentare / Könnse den nicht mal vorbeischicken? Hier herrscht PROKRASTINATOR. Lakritze / LOL liuea


15
Oktober

Ein neuer Erstwohnsitz im Personalausweis. Zwei umgemeldete Autos. Vorsprechen beim neuen Finanzamt, beim neuen Friseur, beim neuen Garagengeber. Ein sich täglich lichtendes Wohnungschaos. Langsam einkehrende, neue Routinen.

Auch sehr schön: Dass man den neuen Wohnort mit gänzlich anderen Augen betrachtete als diejenigen, die einen hergelockt hatten. Andere Allianzen, andere Wege, andere Entspannungsziele, andere Wanderungen, anderes Einkaufen. Das alles aber im Frieden und gegenseitigen Respekt.

Tagsüber knallte man die Texte, Konzepte und Projekte weg, tat der Agentur also im Gegenzug durchaus mehrere Gefallen für den einen großen Gefallen, von hier aus arbeiten zu dürfen. Um 17 Uhr war Schluss mit dem Unsinn, dann war Zeit für Eigenes. Und man liebte es, die einsamen, von der Sonne perfekt beleuchteten Alleen entlang zu brausen, ohne Stau, ohne Tatütata, ohne Generve. Man glitt dahin bei 110 km/h mit dem durchzugsstarken, aber fast unhörbaren 1.8-Liter-20-Ventil-Turbo.

Es ist unglaublich ruhig hier. Ich habe lange nicht mehr so gut geschlafen. Durchs frühe Schlafengehen ergibt sich ein nahtlos in den Tag gleitendes Intervallfasten, was einen pro Woche ohne jedwede Entbehrung vollautomatisch ein Pfund abnehmen lässt.

Und man konnte ja noch nach Berlin, wenn man wollte. Wenn man eine gute Bar brauchte, wenn man die Kolleginnen und Kollegen sehen wollte.

Aber man musste nicht. Man konnte auch einfach hierbleiben, fern von der Zugriffsmöglichkeit des zuweilen auch schädlichen Agenturirrsinns. Es war jetzt alles noch richtiger als schon vorher.

Wandern, ausgedehnte Oldtimerfahrten, Grillen im Garten, was wegschafffen, es ging jetzt alles, so wie man wollte.

Und den Negroni konnte man sich dann eben auch selber mixen.

Alles gut.


 
 
27
September

Und wieder hatten sich die Dinge neu und rasant abgespult. Man hatte einen Haushalt aufgelöst, einen zweiten so halb, die Tochter in die Niederlande gebracht und eine komplett neue Heimat bezogen.

Wie mir meine Tochter ihr Utrecht zeigte. Ihre Kneipen, ihr neues Zimmer, ihre Grachten, ihre Arbeitsstätte.

Und dann ein plötzlicher Abschied. Nahezu betäubt raste ich mit dem Auto die 613 Kilometer nach Berlin zurück. Nun war sie dort und ich hier. Ja, sie würde mir fehlen. Aber auch freute ich mich für sie: ihr eigenes Leben, ungestört Dinge tun, die sie für richtig hielt. Sie war gut aufgehoben.

Der Tag des Umzugs. Kisten, Gegenstände, Chaos.

Das kaputtgegangene VDSL wiederherstellen.

Und dann plötzlich auf dem Land sein. Mit einer neuen Adresse im Personalausweis. Irre. Und geil.

Ruhe. Tiefschlaf bester Güte. Zweisamkeit. Gemeinsames Arbeiten.

Über weite Felder spazieren. Frischluft.

Eine kleine Fahrradtour mit 135 Kilometern. Über Genthin in die neue Heimat.

Im Auftrag des Unternehmens Aufträge reinholen.

Glücklich sein.


 
 
31
August

Während sich in Berlin die letzten Tiefausläufer des Wahnsinns ballten und zusammenbrauten, lief auf dem Land, in der baldigen Realität, alles nach Plan.

Anstreicher kamen, 100-MBit-VDSL war erfolgreich in Gang gesetzt worden, der Garten schenkte Kartoffeln, Mirabellen, delikate Muskateller-Weintrauben und köstliche Tomaten.

Namensschilder und Klingeln waren befestigt worden, Router optimiert, Telefone installiert. Jetzt hieß es nur noch, mit Geschick und ohne Kollateralschäden durch die in Zeitlupe zufallende Tür zu witschen. Mal wieder.


 
 
28
August

Zack. Bumm. Treffer versenkt.


 
 
26
August

Schön auch: den ehemaligen Chef, in Zehlendorf an der roten Ampel stehend, weghupen. Tröt tröt!


 
 

Draußen, abends, bei Weißwein, den Herbst kennenlernen. Wie die Leuchtstoffröhrenstraßenlaternen nacheinander sich einschalten, unruhig zappelnd, asynchron. Noch nicht gleichgeschaltet wie die LED-Monster, die sich überall ausbreiten. Friedenau.


 
 

Und das Wochenende wurde dann final erfreulich beschlossen durch ein herzliches, freundliches Telefonat. Am anderen Ende: der entspannte, große Mann mit der sagenhaft sonoren Stimme.


 
 

Der ERLEDIGOR hatte an einem Tag roundabout 18.000 Zeichen in einem Rutsch hingeknallt, danach die letzte der zwölf Tranchen eines Großauftrags an den Kunden übermittelt, eine Rechnung in Höhe von 10.000 Euro per epost rausgeschallert, seine Umzugskartons entgegengenommen, eine Speditionslieferung abholen lassen, einen Teilumzug nebenher überwacht und dann noch eine Bahnhofsabholung und eine Probefahrt organisiert. Der ERLEDIGOR war zufrieden.


 
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