letzte Kommentare / Könnse den nicht mal vorbeischicken? Hier herrscht PROKRASTINATOR. Lakritze / LOL liuea


28
Oktober

Von einem Tag auf den anderen war die Katze weg. Das Schlimme an so etwas ist, dass man nicht weiß, was geschehen ist. Hier fahren zu wenige Autos vorbei, als dass man davon ausgehen kann, sie sei überfahren worden. Marder, Waschbären und Co., ja, die gibt es. Aber man hätte erwartet, dass die Katze flink und widerstandsfähig genug ist, ihnen zu entkommen oder gar nicht erst in ihre Fänge zu geraten. Dass hier jemand herumläuft und Katzen klaut, ist auch unwahrscheinlich. Natürlich kann sie theoretisch durch irgendein Souterrain- oder Kellerfenster irgendwo hineinfallen, wo sie von selbst nicht wieder herauskommt. Aber ausführliche und weiträumige Ortsbegehungen und Befragungen sämtlicher Nachbarn waren erfolglos.

Dass sie weg ist, schmerzt. Ihre ulkige Art, einen manchmal vor Freude im 45-Grad-Winkel schräg anzuspringen und sich am Unterschenkel festzukrallen, ihr ausführliches Schnurren, ihr streichelfreudiger, kugelrunder Kopf mit diesen klaren Augen, das fehlt. Aber auch die Strukturierung des Tages, bestehend aus dreimal täglich füttern und im Hof besuchen, geht verlustig.

Ob sie wiederkommt? Täglich reduziert sich die Hoffnung.


 
 
02
Oktober

They got a ranch they call Number fifty-one They got a ranch they call Number fifty-one You can't see it all, unless you're flying by.


 
 

Faster than the speed of sound Faster than we thought we'd go Beneath the sound of hope


 
 

Die sagenhaft breitbeinige Musik von Oasis.


 
 
24
September

Von Magdeburg über Eickendorf, Bernburg, Gröna, Plötzkau, Großwirschleben, Alsleben, Mukrena, Zweihausen, Trebnitz, Rothenburg, Dobis, Wettin, Mücheln, Döblitz, Brachwitz, Lettin und Kröllwitz nach Halle.

Immer - oder zumeist - an der Saale entlang. Knapp 200 Kilometer in zwei Tagen. Es war nötig geworden, der Sommer verkrümelte sich so langsam und der Fahrradpopo und die Waden waren unruhig.

Der Gedanke an eine bevorstehende Radtour elektrisiert. Nur das Allernötigste in die Tasche gepackt, Ersatzwäsche, Zahnbürste und etwas Proviant und dann Hui!

Die ersten Kilometer ist man noch richtig nervös. Es ist kühl, der Tag findet zu sich selbst, der Körper justiert sich noch, die Routentreue des Fahrens muss regelmäßig verifiziert werden. Irgendwann ist man drin und fährt und fährt. Die Muskeln werden wach, die Waden stramm, Ein- und Ausatmen werden zu Basso Continuo und cantus firmus, man verschmilzt mit dem Rad.

Halle empfing dann mit eher gemäßigter Kulinarik, erheblichem Muskelkater und John-Wayne-Gang. War aber ganz geil so.


 
 
02
Juli

Und natürlich lief irgendwo etwas drastisch schief, wenn man sich für 199 Euro ein symmetrisches Kopfhörerkabel bestellte, während eine Carola Rackete zugleich Flüchtlinge in einen Hafen brachte und dafür verhaftet wurde, während eine Ursula von der Leyen EU-Chefin zu werden drohte. Was war denn hier eigentlich los?


 
 

To Greece.

Griechenland empfing den Reisenden mit einer Vielzahl von Eindrücken. Zunächst der Schmutz, der Wahnsinn und die Weit- und Weltläufigkeit von Piräus. Brüllend laute Diskotheken, schwarzer Dieselqualm der Fähren, Meergeruch, Gluthitze. Ein kleines, sauberes, klimatisiertes Hotelzimmer, in dem Schlaf unmöglich war, weil draußen zehn unterschiedliche Musikrichtungen in Höchstlautstärke bollerten.

Mit der Fähre rückwärts raus aus dem Wahnsinn. Seeluft, Möwen, Wind, Zigaretten, Ankunft in Sifnos. Mit dem Taxi nach Faros - und bereits auf dem Weg dorthin beim ersten Anblick der Berge und des Meeres Glückstränen ob der Schönheit. Pool mit Meerblick, wenige Meter nur zu Hafen und Strand. Wein, Ouzo, köstliches Essen: Nach nur wenigen Tagen war man von allem erholt und geheilt.

Rückkehr zu den wichtigen Dingen. Grundbedürfnisse. Schlaf, Sex im Pool, Lesen auf dem Balkon, Speisen, Trinken, zur Ruhe kommen.

Nach einer Woche kompletter Wechsel: vom zweisamen Herumfaulen zur Vier-Männer-Segelcrew. Musste man sich neu kalibrieren: witzeln, quasseln, sich langsam in Fahrt brabbeln.

Danach eine Woche Segeln mit existenziellen Erfahrungen. Wenn du in eine Windstärke 7 mit Böen 8 hineingerätst und die Wellen von 0,2 auf 4 Meter sich hochschaukeln, dann gibt es kein Entkommen. Du kannst nicht anhalten, pausieren, aussteigen, rechts ranfahren. Du bist mittendrin. Der Steuermann hält das Boot hart im Wind, du reffst und spannst Vor- und Hauptschot im Wechsel, Kurzflauten wechseln sich mit Monsterböen ab, permanent wird an Seilen gezerrt und an der Winsch gekurbelt, während die Yacht bis zu 80 Grad Schräglage hat und unter Deck das Geschirr im Stauraum zu Scherben zerbricht. Es gibt kein "Ich kann nicht mehr" oder "Ich will nicht mehr", du musst DURCH und WEITER und das sind die Erlebnisse, die einen zusammenschweißen, weil Verpissen keine Option ist. Die gute Nachricht: Für Seekrankheit ist gar keine Zeit, weil es um das gemeinsame Überleben geht.

Dann später, im rettenden Hafen, das allgemeine "Boah, noch mal gut gegangen". Mehr Bier, mehr Ouzo, mehr Saganaki Cheese und Greek Salad. Du sitzt komplett erschossen um 23:30 beim Abendessen, futterst vor lauter Hunger und Erschöpfung mit zwei Gabeln gleichzeitig, während alles um dich herum schwankt, weil du seit Tagen Wellen- und Seegang ohne Pause hast. Und es ist auf eine Art auch sehr, sehr geil so.

Zwischendurch Schlendrian, Badebucht, ins offene Meer hüpfen, leichter und salziger und schmutziger werden.

Das Sozialgefüge des Segelns: Alle helfen einander, nicht nur innerhalb der Yacht-Sphäre - auch die Liegenachbarn im Hafen springen herbei, wenn du anlegst, weil sie wissen, dass jede Hand gebraucht wird. Kennenlernen, plaudern, erzählen.

Generell aber auch die griechische Relaxtheit. Nicht zu verwechseln mit Unverbindlichkeit oder Scheißegalität. Man kann sich aufeinander verlassen, aber man macht sich und dem anderen keinen Stress. Schon lange habe ich nicht mehr so ungestresste Menschen gesehen. Männer, die Zeit für ihre Kinder haben und sie mit Stolz und Würde durch die Gegend tragen. Frauen, die eine Grundschönheit abstrahlen, die nicht durch Make-up, Nuttenklamotten oder Doofheit erkauft wird. So ein Land wollte man aus Europa herauswerfen? Wirklich? Die Wiege der Demokratie und Menschlichkeit? Boah.

Ja, Reisen bildet. Versöhnt. Macht glücklich. Und rückt die Dinge wieder mal ins rechte Licht.


 
 
20
Mai

Portugal. Die kleine, ärmliche, etwas zerzauste Schwester Spaniens, besseres Licht, gröberes Bier, lustigere Sprache. Konnte man sich gleich am ersten Tag wohlfühlen. Doch. Gut.

Man lag dort gut herum. Man fuhr dort schön umher mit dem lustigen kleinen Mietwagen. Man sah Wolken, Wind, Wellen, tapste noch etwas unkundig (der lange Winter) am Strand entlang, genoss Gazpacho, Käse-Schinken-Toast und Vinho Verde. Man betrat auch Gotteshäuser und wünschte sich was.

Die Sekundenzeiger der Jahresuhr hatten schon eine ganze Weile lang vernehmlich getickt. Nun rückte auch der Minutenzeiger vor.

Die Temperatur veränderte sich, das Verhältnis aus Trockenheit und Regen veränderte sich. Die wochenlang ruhenden Setzlinge schlugen plötzlich aus - und nach gut zwei Monaten hatte sich das eher spröde anmutende Beet plötzlich in ein reichhaltiges Gemüsereservoir verwandelt. Man speiste die ersten Radieschen, den ersten Rübstiel, das erste Basilikum aus eigener Haltung.

Wohnung Nummer 2 war gekündigt, es wurde entrümpelt und Mobiliar verschenkt - und auf diese Weise lernte man noch tolle und skurrile Menschen kennen. Ja, auf diese Weise schlief man sogar erstmals selbst auf dem Bett, das man ursprünglich für Gäste angeschafft hatte. Komisches Leben.

Die Gesundheitsthemen waren hier und da immer noch vorhanden, man war aber inzwischen soweit, diesen einen Platz in der dritten Reihe zuzuweisen anstatt auf dem Podium. Das Gewichtsreduktionsprogramm - eigentlich war es ein Algorithmus - lief. Nicht gerade in Spitzenzeit, aber es lief.

Überhaupt, wie einem das Leben immer wieder spannende Menschen anspülte. Dass man - gerade in der vermeintlichen Einsamkeit - die absonderlichsten und durchaus auch wertvollen Bekanntschaften machte.

So konnte man auch endlich einmal wieder auf einer Kirchenorgel Präludien eintippen. Es war ja eh der Kirchenorgel-Hochgenuss, eben nicht die Tutti-Scheiße zu registrieren, sondern die zarten, sanften Acht-Fuß-Register, die Gedacktpfeifen, die Schalmeien, vielleicht auch ergänzend ein 16-Fuß-Bordun, das selbst den manualiter eingespielten Stücken eine gewisse Tiefe verlieh.

Überhaupt, ausgerechnet von einem wirrköpfigen Pfarrer, der schon Pilger aus seinem Garten fortgescheucht hatte, eingeladen zu werden in ebenjenem Garten zu sitzen und Rotkäppchen halbtrocken zu trinken: boah!

Innen rasselte die Spielothek, draußen prasselte der Regen, es ging soeben der erste Donner hernieder, die Wäsche wurde auf der Leine nun halt ein zweites Mal gewaschen. Und wenn?


 
 
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